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Zeitung: Schwarzer Juli symbolisch für singhalesische Herrschaft

[TamilNet, 23. Juli 2007 05:38 GMT]
In dem fast 25-jährigen Konflikt seit den staatlich geförderten antitamilischen Ausschreitungen vom Juli 1983 hat es trotz der zehntausenden Leben, die der Konflikt gefordert hat, „nicht einen Deut an Wandel im Denken der singhalesischen Führung – oder auch der Ansichten der internationalen Gemeinschaft [zum ethnischen Problem] gegeben“, heißt es im aktuellen Leitartikel der Zeitung Tamil Guardian. Nach einem Vergleich der Regimes der Präsidenten Junius Jayawardene, Chandrika Kumaratunga und Mahinda Rajapakse folgert die Zeitung: „Der Schwarze Juli ist nicht nur ein historisches Ereignis. Er ist vielmehr ein symbolischer Akt der singhalesischen Herrschaft.“

Der vollständige Text des Editorials ‚Symbolischer Akt: die Lektionen des Schwarzen Juli 1983’ ist wie folgt:

Diesen Monat vor 24 Jahren erlitten die Tamilen Sri Lankas die schwersten rassistischen Ausschreitungen in der postkolonialen Geschichte der Insel. Das Massaker, das seitdem gemeinhin als ‚Schwarzer Juli’ (und zuweilen als Holocaust der Tamilen) bezeichnet wird, war nicht lediglich ein Ausbruch von Massenausschreitungen, sondern eine systematische und gewaltsame Säuberung von Tamilen aus Colombo und einem Großteil des Südens durch den singhalesisch dominierten Staat. Über dreitausend Tamilen starben, während unser Volk zuerst in Flüchtlingslager getrieben wurde und dann mit Schiffen in den Norden verfrachtet wurde. Innerhalb einer Woche wurden im Süden nahezu alle tamilischen Wohnhäuser und Geschäfte geplündert und niedergebrannt. Der bewaffnete Kampf, der im daraus resultierenden Schmerz und Zorn der Tamilen eskalierte, hat sich heute zu einem substantiellen Projekt der Staatenbildung entwickelt.

In den fast 25 Jahren nach dem Schwarzen Juli hat es trotz der zehntausenden Leben, die der Konflikt gefordert hat, nicht einen Deut an Wandel im Denken der singhalesischen Führung – oder auch der Ansichten der internationalen Gemeinschaft gegeben. Die Militärkampagne, die nun von Präsident Mahinda Rajapakse umgesetzt wird, wird von der gleichen Rassen-Vorherrschaft und exklusiven, sogar vernichtenden Logik gestützt, wie der von Präsident Junius Jayawardene in den 80ern und der von Präsidentin Chandrika Kumaratungas ‚Krieg für Frieden’ in den 90ern – nämlich, dass Sri Lanka ein (singhalesischer) Mehrheitsstaat ist, in dem Tamilen unter der Voraussetzung toleriert werden, dass sie ihren zweitrangigen Minderheitenstatus akzeptieren und ihre Forderungen nach einer Machtteilung aufgeben.

Seit mehr als einem Jahr führt Präsident Rajapakse nun offen einen brutalen Krieg gegen die Tamilen. Wir sagen Tamilen statt Tigers, zum einen, weil sich die srilankische Strategie in erster Linie darauf zielt, das zivile Leiden zu vergrößern, um die Unterstützung für den bewaffneten Kampf der LTTE zu unterminieren, und zum anderen, weil der kalkulierte Grund für dieses Leiden ist, die Tamilen zu zwingen, ihre Forderungen an die Singhalesen, ihre Macht zu teilen, herabzusetzen oder gar ganz aufzugeben. Als Präsident Jayawardene in 1983 die mörderischen singhalesischen Mobs entfesselte, die von den Sicherheitskräften unterstützt und mit Wählerlisten ausgestattet wurden, war die Logik dahinter die kollektive Bestrafung: den rebellierenden Tamilen den Preis aufzuzeigen, die singhalesische Herrschaft herauszufordern. Letzten Monat ließ Präsident Rajapakse hunderte Tamilen aus Colombo deportieren, die als Sicherheitsrisiko betrachtet wurden. Der Schritt wurde inmitten internationaler Proteste gestoppt, aber der Punkt, der gemacht wurde, war: die Tamilen sollten besser wissen, wo ihr Platz in Sri Lanka ist. Nun, drei Jahrzehnte danach, bleibt der Staatsterror die primäre Methode, die Tamilen zu beherrschen – wenngleich die Gewalt der singhalesischen Mobs durch die Raketenwerfer der Armee ersetzt wurden.

Präsident Rajapakses Kriegsstrategie, wie sie im letzten Jahr in Sampoor, Süd-Trincomalee und insbesondere Vaharai umgesetzt wurde, ist derjenigen von Präsident Jayawardene vor 20 Jahren identisch: die Bevölkerung militärisch abzuriegeln und auszuhungern, während sie erbarmungslosen Bombardements und Luftangriffen unterworfen wird. Jayawardene blockierte über Monate die Halbinsel Jaffna von Land, See und Luft aus. Seine Belagerung wurde von den berühmten Abwürfen [von Hilfsgütern] Indiens durchbrochen, ein Vorbote des Einsatzes indischer Friedenstruppen in 1987. Die Strategie der Präsidentin Kumaratunga war während ihrer anschließenden Versuche, die LTTE zu zerstören, identisch. Über sechs Jahre (1995-2001) war der Vanni dem gleichen drakonischen Embargo unterworfen, das Lebensmittel und Medizin für die Einwohner blockierte, wie es von Jayawardene gegen das nördliche Jaffna und von Rajapakse gegen die östlichen tamilischen Gebiete verhängt wurde.

Der Punkt ist, dass durch den gesamten Konflikt jede singhalesische Führung als Teil ihres Versuchs, die tamilische Befreiungsbewegung zu zerstören – von der jede Regierung paradoxerweise behauptet hat, sie sei zahlenmäßig unbedeutend und kurz vor der Niederwerfung – bereitwillig massives Leiden unter den hunderttausenden einfachen Tamilen verbreitet hat. Einem Mantra gleich verspricht Rajapakse, genauso wie Kumaratunga und Jayawardene vor ihm, den Singhalesen und dem Rest der Welt die unmittelbar bevorstehende militärische Zerstörung des tamilischen Kampfes.

Und genau wie Jayawardene und Kumaratunga verursacht Rajapakse dieses Leiden im Namen der Tamilen selbst. Jeder singhalesische Führer hat erklärt, seine oder ihre teuflische Gewalt sei nötig, um ‚die Tamilen von den Tigers’ zu befreien (obwohl sie von kaum verborgenen Vorstellungen singhalesischer Rassen-Vorherrschaft – ‚in Verteidigung des Dharma’ – und Staatsräson gestützt wird). Jayawardenes erbarmungsloser Angriff auf die von den tamilischen Militanten kontrollierten Halbinsel Jaffna (vor genau 20 Jahren) wurde ironischerweise ‚Operation Liberation’ getauft. Kumaratunga verkündete, ihr selbst-erklärter ‚Krieg für Frieden’ werde zur Befreiung der Tamilen von der ‚faschistischen’ LTTE geführt. Und nun terrorisiert Präsident Rajapakse die Tamilen, um ‚sie von der Herrschaft der Tigers’ zu befreien und ihnen ‚Demokratie’ zu bringen.

Inmitten tadelnswert schwachem internationalen Drucks, den ethnischen Konflikt zu lösen, haben all diese singhalesischen Führer versucht, die Machtteilung mit den Tamilen herauszuzögern, und Ausflüchte gemacht, bis der einzige Grund für einen Kompromiss – der tamilische bewaffnete Kampf – zerstört ist. Rajapakses Allparteien-Repräsentantenrat (APRC) folgt der gleichen heuchlerischen Logik wie Jayawardene Allparteienrat (APC). (Und in einer weiteren absurden Parallele hat die UNP heute die APRC-Farce der SLFP verlassen, wie es damals die SLFP mit der APC-Farce der UNP getan hatte). Präsidentin Kumaratunga veröffentlichte 1995 ihre viel gepriesenen ‚Devolutions-Paket’ genau zu dem Zeitpunkt, als sie ihren rücksichtslosen Angriff gegen die Tamilen der Halbinsel Jaffna entfachte. Angesichts der darauffolgenden Erfolge gegen die LTTE wurde das ‚Paket’ immer weiter verwässert, bis es nahezu bedeutungslos geworden war (und selbst die Tamilen desillusionierte, die an der Ausarbeitung des Entwurfs mitgewirkt hatten, der nichts weiter als ein Werkzeug der Aufstandsbekämpfungskampagne des Staates war).

Nichtsdestotrotz hat die internationale Gemeinschaft jeden dieser Führer bei ihren verderblichen Anstrengungen unterstützt, den tamilischen Widerstand zu brechen. Jeder dieser Führer hat fast bedingungslose militärische, finanzielle und politische Unterstützung der internationalen Gemeinschaft erhalten. (Ja, wir wissen, es existieren feine Abweichungen in den Positionen der involvierten Länder, aber kollektiv hat dies kaum Bedeutung in den Killing Fields des Nordostens.) Über Jahrzehnte haben unsere Menschen gelitten und sind sie zu tausenden gestorben, als das singhalesische Militär ungehindert von Gesetz oder Moral unser Heimatland verwüstete. Aber es waren unsere Anstrengungen, dieser genozidalen Gewalt zu widerstehen, die von der internationalen Gemeinschaft als nicht annehmbarer Terrorismus verurteilt wurde. Der singhalesische Staat wurde hingegen als eine kämpferische Demokratie gelobt und aufs Neue gestärkt.

Der Schwarze Juli ist nicht nur ein historisches Ereignis. Er ist vielmehr ein symbolischer Akt der singhalesischen Herrschaft. Im Gedenken an den Schwarzen Juli gedenken wir nicht nur den tausenden Tamilen, die in dem staatlich gestützten Holocaust von 1983 starben, sondern wir gedenken auch den Zehntausenden, die vor und seit dem international gestützten Verfolgen singhalesischer Hegemonie durch den Staat abgeschlachtet wurden. Folglich erinnern wir zur gleichen Zeit daran, warum der tamilische Befeiungskampf begann, warum er sich von Ahimsa zum bewaffneten (Kampf) wandelte und warum er heute weiterhin notwendig ist. Wir erinnern, dass wir eine Nation sind, die der Unterdrückung widersteht.

 

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